Wiens Beziehung zum Kaffee ist einzigartig auf der Welt. Das Wiener Kaffeehaus ist kein Ort für einen schnellen Drink — es ist ein Ort zum Lesen, Schreiben, Debattieren und Existieren. Die Tradition reicht bis in die 1680er Jahre zurück, als der Legende nach Kaffeesäcke, die von der zurückweichenden osmanischen Armee zurückgelassen wurden, von einem polnisch-ukrainischen Kaufmann namens Jerzy Franciszek Kulczycki beansprucht wurden. Ob die Legende wahr ist oder nicht, was folgte, ist es: eine Kaffeehauskultur, die so zentral für die Wiener Identität ist, dass die UNESCO sie als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat.
Café Central: der intellektuelle Palast. In der Herrengasse in der Inneren Stadt öffnete das Café Central 1876 unter gotischen Gewölbedecken, die einst einer Bank gehörten. Trotzki war Stammgast (sein Tisch ist markiert), ebenso Freud, Schnitzler und Altenberg (dessen lebensgroße Pappmaché-Figur noch immer an der Tür sitzt). Das Gebäck ist exzellent — die Central-Torte ist eine Hausspezialität. Kommen Sie für die Atmosphäre ebenso wie für den Kaffee; dies ist wohl das schönste Kaffeehaus-Interieur der Welt.
Café Sperl: die Viertelinstitution. In der Gumpendorfer Straße im 6. Bezirk serviert das Sperl seit 1880 und hat sich bemerkenswert wenig verändert. Die Billardtische, die Zeitungsständer, die marmorgekrönten Tische mit Bugholzstühlen — alles spricht von einer Zeit, als das Kaffeehaus der primäre soziale Raum war. Sperl ist weniger touristisch als Central und fühlt sich authentischer wienerisch an. Die Sperl-Torte (ein Schokoladen-Nuss-Kuchen) ist die Hausspezialität. Sonntagmorgens, mit der leise spielenden klassischen Musik und den über den Tisch ausgebreiteten Zeitungen, sind besonders perfekt.
Café Hawelka: die Künstlerhöhle. In der Dorotheergasse nahe dem Graben ist Hawelka das böhmische Pendant zur Pracht des Central. Klein, dunkel und intim, war es der Treffpunkt der Wiener Nachkriegs-Avantgarde. Die Buchteln (süße gefüllte Knödel) werden nur abends serviert und nur solange der Vorrat reicht — planen Sie Ihren Besuch entsprechend. Die Atmosphäre ist intensiv und echt; dies ist kein Kaffeehaus für diejenigen, die Raum und Licht wollen, sondern für jene, die Charakter und Geschichte suchen.
Die neue Welle: Third-Wave-Kaffee in Wien. Wiens Kaffeehaustradition wird — respektvoll — von einer neuen Generation von Spezialitäten-Röstern herausgefordert. Jonas Reindl in der Währinger Straße bezieht seinen Namen aus der traditionellen Wiener Kaffeetasse und serviert Single-Origin-Pour-Overs neben klassischen Wiener Zubereitungen. CoffeePirates im 7. Bezirk ist ein heller, moderner Raum mit außergewöhnlichem Espresso und dem Bohnen-Wissen, das den engagiertesten Kaffeenerd zufriedenstellen würde. Die Kaffeefabrik in der Favoritenstraße röstet ihre eigenen Bohnen in kleinen Chargen.
Die Kaffeekarte entschlüsselt. Kaffee in Wien zu bestellen erfordert Vokabular. Eine Melange ist das Wiener Pendant zum Cappuccino — gleiche Teile Espresso und aufgeschäumte Milch. Ein Kleiner Brauner ist ein kleiner schwarzer Kaffee. Ein Großer Brauner ist eine größere Version. Ein Einspänner ist Espresso mit Schlagobers in einem Glas, traditionell von Fiakerkutschern mit einer freien Hand getrunken. Ein Wiener Eiskaffee ist kalter Kaffee mit Vanilleeis und Schlagobers. Und ein Kaffee verkehrt ist mehr Milch als Kaffee — die sanfte Option.
Gebäck-Pairings. Die Sachertorte — dichter Schokoladenkuchen mit Aprikosenmarmelade, erfunden im Hotel Sacher 1832 — ist das berühmteste Wiener Gebäck und Gegenstand eines legendären Rechtsstreits zwischen dem Hotel Sacher und Café Demel über das Originalrezept. Apfelstrudel, warm serviert mit Vanillesoße, ist am besten im Café Residenz in Schönbrunn. Topfenstrudel (Topfenquarkstrudel) ist die weniger bekannte, aber ebenso köstliche Alternative. Kaiserschmarrn, ein zerrissener fluffiger Pfannkuchen mit Zwetschgenröster, ist technisch ein Dessert, wird aber oft als Mahlzeit gegessen.
Ihren Kaffeepfad planen. Ein perfekter Wiener Kaffeetag könnte mit morgendlicher Melange und Apfelstrudel im Café Sperl beginnen, fortgesetzt mit einem Single-Origin-Pour-Over bei CoffeePirates am Vormittag, Mittagessen am Naschmarkt, einem nachmittäglichen Einspänner und Sachertorte im Café Central und abendlichen Buchteln mit Kaffee im Hawelka enden. Zwischen den Stationen sind die Gehentfernungen überschaubar und die Stadt offenbart sich wunderbar zu Fuß.
Wiens Kaffeekultur ist gleichzeitig eine lebende Tradition und eine sich entwickelnde Kunstform. Bei Eutouria verweben wir den Kaffeepfad in Wien-Reiserouten mit den anderen Schätzen der Stadt — denn in Wien ist Kaffee keine Pause vom Sightseeing, er ist das Sightseeing. Erzählen Sie uns Ihre Vorlieben, und wir brühen den perfekten Wien-Tag.
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Eutouria Team
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